Das Kiez-Magazin 01/10: Brötchen an der Hafenkante

Heikler Fall: Wer ist der beste Dealer an den Landungsbrücken? Rhea Harder und Matthias Schloo aus „Notruf Hafenkante“ machten mit uns einen Zug durch ihr Revier und testeten leckere Fischbrötchen.


Es gibt mehrere Verdächtige: Bismarckhering oder Matjes? Krabben, Rollmops oder Fischfrikadelle? Ganz klar, es wird höchste Zeit für eine Großfahndung: Wo gibt’s das leckerste Fischbrötchen an den Landungsbrücken? Ein kniffliger Fall – genau das richtige für die Schauspieler Rhea Harder und Matthias Schloo aus der Polizeiserie „Notruf Hafenkante“. Erstens liegt ihr Revier am Fischbrötchen-Strip, unten an der Elbe zwischen Hafencity und Kiez. Zweitens müssen sich die beiden in der Folge „Matjeskrieg“ (Ausstrahlung am 19. November 2009) mit dem Stoff auseinandersetzen: Zwischen zwei Fischbudenbesitzern gibt’s mächtig Zoff um die Marktführerschaft im Viertel, inklusive Sachbeschädigung, Beschimpfungen und vergifteter Ware, die dummerweise ein Kollege aus dem Revier verspeist.

Fischvergiftungen erwarten wir nicht auf unserem kulinarischen Rundgang, dafür aber knallharte geschmackliche Urteile von den Verkostern. Los geht’s oberhalb der Brücke 5 auf dem Parkplatz: Die Fischbrötchen dort haben einen moderaten Preis (zwischen zwei und drei Euro), dafür ist aber auch die Aussicht nicht so schön wie unten am Wasser. Unsere beiden Tester obervieren die verschiedenen Brötchen in der Auslage – und nehmen eines mit Bismarckhering fest. Schon beim ersten Biss verziehen sie das Gesicht. „Das ist das falsche Brötchen – eher ein Baguette, und auch noch vollkommen aufgeweicht“, beschwert sich Matthias. „Dafür ist der Fisch ziemlich trocken. Sein ganzer Saft ist im Brötchen“, sagt Rhea. „Zwiebeln sind viele dabei, finde ich gut. Hat aber auch nicht mehr geholfen.“ Hier sollte man lange vor vor Ladenschluss hingehen – dann lohnt’s sich!

Teurer wird es hundert Meter weiter: Ein Nordseekrabbenbrötchen bei „Fisch Schröder“ kostet satte 4,50 Euro! „Hier bezahlt man den Blick wohl mit“, fasst Matthias zusammen und beißt trotzdem herzhaft zu. „Da lacht die Nordseekrabbe – mir schmeckt’s!“ Vernünftiges Brötchen, bisschen Salat drauf, schön frisch mit Zitrone – auch Rhea ist angetan. „4,50 Euro ist trotzdem zu viel, Aussicht hin oder her. Das ist ja fast wie die Abzocke an den Autobahnraststätten“, lautet ihr Fazit. Die Kelle ist zwar grün, weil’s schmeckt. Aber ziemlich dunkelgrün…
Matthias Schloo steigt als Polizeipraktikant Mattes Seeler neu in die Serie ein. Wenn man denselben Seriennamen trägt wie ein Urgestein des Hamburger SV, darf eine Frage nicht fehlen: HSV oder St. Pauli? „Ich bin Paulianer. Ich habe mal ein Jahr direkt am Millerntor gewohnt und hatte eine Dauerkarte für den Club. Damals haben die noch in der ersten Liga gespielt“, erzählt Matthias, der mittlerweile in Berlin wohnt, von den guten alten Zeiten. Rheas Herz schlägt für den HSV: „Ich habe eine Dauerkarte und bin bei jedem Heimspiel dabei.“
Ein Heimspiel ist auch das nächste Fischbrötchen. Der Imbiss „Brücke 10“ – der Name ist auch Standort – liegt mitten im Revier der beiden Polizisten. „Guck dir mal das Krabbenbrötchen an“, schwärmt Rhea beim Blick in die Auslage. „Das nehm ich!“ Recht hat sie: Gefühlte drei Kilo Krabben sind zwischen zwei Brötchenhälften geschaufelt. Matthias entscheidet sich für einen Räucher-Rollmops. „Knackig frische Brötchen mit einem Klecks Remoulade. Und der Fisch ist gut gewürzt!“ Matthias ist begeistert. Und Rhea? „Perfekt. Hier sind dreißig Prozent mehr Krabben drauf als auf dem Brötchen in der letzten Bude.“ Die Kelle leuchtet knallgrün!
Würde Matthias das auch zu Hause so gut hinbekommen? „Ich koche sehr gerne und gehe auch auf den Markt, um dort einzukaufen. Bei mir dauert kochen allerdings lange, weil ich immer nachlesen muss. Schritt eins lesen, machen. Schritt zwei lesen, machen. Aber am Ende kann man das essen.“ Warum selber machen, wenn man für 4,50 Euro so ein leckeres Fischbrötchen serviert bekommt? Hier stimmen Preis und Leistung – auch wenn das Brötchen kein Schnäppchen ist. Aber für das Ambiente zahlt man gerne: Weil er die Fischbrötchen für die besten der Stadt hält, hat ein Hamburger Künstler die „Brücke 10“ gratis eingerichtet. Alles in Weiß, bunte Fischbilder an den Wänden, gemütliche Holztische und -bänke.

Betrug mit falschem Fisch!
Rhea Harder spielte schon in Serien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Berlin, Berlin“ mit, bevor sie zur Hafenkante kam. Bei einer Gegenüberstellung würde sie jeder erkennen – viele Spaziergänger bleiben stehen und tuscheln. Von der Soap zur Wache, wie schafft man den Wandel? „Ich habe ein Praktikum bei der Polizei in St. Georg gemacht“, erzählt sie. „Total spannend. Da war ordentlich was los in meiner Schicht: ein Banküberfall, zwei Ladendiebstähle.“
Matthias Schloo ist schon ein alter Hase im Polizeibusiness. „Ich habe damals mein Schülerpraktikum bei der Polizei gemacht und wollte danach sogar bei denen anheuern. Die Jungs waren mir immer sympathisch, ich hätte bestimmt auch das Zeug zu einem guten Polizisten gehabt. Letztendlich hat mich die Bürokratie abgeschreckt.“
Ein guter Polizist nimmt zielsicher die Fährte von Übeltätern auf – mal sehen, ob das auch bei Fischbrötchen funktioniert_…Bei unserer letzten Station „Quick Snack“ steht ein Brötchen mit sehr großen Garnelen im Fenster. Surimi-Garnelen, wohlgemerkt. „Das ist Krebsfleisch in Garnelenform“, versucht die Verkäuferin in unserem Verhör zu beschwichtigen. Sie haben das Recht zu schweigen – das wäre hier die bessere Wahl gewesen: Surimi sind Stäbchen aus Krebsfleischimitat… Rhea nimmt mutig den falschen Fisch, Matthias eine Fischfrikadelle im Brötchen. Der Preis ist okay: 2 Euro für die Frikadelle, 2,90 Euro für die Garnelen. Und wie schmeckt’s? „Ich hätte lieber ’ne Bockwurst essen sollen“, sagt Rhea. „Das sind Fischreste in einen Flusskrebsschwanz gepresst, ertränkt in Remoulade.“ Matthias ist zufrieden: „Die Fischfrikadelle ist super, das Brötchen frisch, dazu dänische Remoulade, die finde ich obergeil.“
Am Ende ist ein Täter gefasst: die Brötchen von „Brücke 10“ überzeugen unsere Polizei-Feinschmecker in Sachen Geschmack und Preis. Matthias und Rhea machen nach so viel Futtern lieber Feierabend – für heute haben sie schon genug Verdächtige überprüft. Endlich wieder Ruhe im Revier!

Angela Meier-Jakobsen für St. Pauli – Das Kiez-Magazin 01/10

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